Gastbeitrag Bienenzuchtverein Bruckberg

Der Sozialstaat der Honigbiene – wie auch der Mensch von der Teamfähigkeit der Bienen noch lernen kann

Beim Bienenzuchtverein Bruckberg e.V. referierte Claus Steger, Gärtnermeister und Fachwart beim Bayerischen Bienenzuchtverein e.V. über die Biologie der Biene, deren Sozialstaat und allerlei Wissenswertes rund um die Bienen.

Zunächst zeigte Steger auf, dass es zwei Arten der Honigbienen gibt, die uns bekannte westliche Biene, die Höhlenbrüter ist und die asiatischen Bienen die ein Verhalten wie Zugvögel zeigen und ihre Nester frei bauen. Anders als bei uns in Europa werden dort die Waben mit dem Honig „zermanscht“ sodass es dort ein Honig-Wachs-Gemisch gibt, wohingegen bei uns die Honigwaben geschleudert werden und die Imker den reinen Honig verkaufen. Die Bienen in Asien werden auch nicht von Imkern gepflegt, sondern von Honigjägern aus ihren Waben vertrieben, damit das „gelbe Gold“ geerntet werden kann.

Zum weiteren Verständnis ging Steger auf die Unterschiede von Bienenkönigin, Arbeiterin und Drohne ein.

Die Bienenkönigin und die Arbeiterin können beide aus dem gleichen befruchteten Ei der „alten“ Bienenkönigin entstehen. Lediglich anhand des Futters das die Made bekommt, die aus dem Ei schlüpft, entscheidet sich ob eine Königin oder eine Arbeiterin entsteht. Die Drohne hingegen entsteht aus einem unbefruchteten Ei der Bienenkönigin.

Der Bienenfachwart wies darauf hin, dass eine Arbeiterin 5 Augen hat, 3 Punktaugen zum Orten der Sonne, womit sie die UV-Strahlen auch bei bedecktem Himmel aufnehmen kann und 2 Facetten-augen zum Sehen. Dies benötigt sie um Futterplätze zu finden und auch wieder zum Bienenstock zurückzufinden. Dabei unterscheidet sich die Biene zum Menschen dahingehend, dass diese nur schwarz-weiß sieht. Die Drohnen haben jedoch nur 2 Augen, die jedoch deutlich größer sind, da deren einzige Aufgabe ist, eine Bienenkönigin zu finden nach deren Befruchtung sie sterben.

Ein Unterschied der 3 Bienen ist auch deren Lebensdauer. So wird eine Bienenkönigin 3-4 Jahre alt, eine Arbeiterin im Sommer 2-6 Wochen und im Winter 2-6 Monate, und eine Drohne bis zu 6 Monate alt.

Faszinierend ist es immer wieder für die Imker, wie die europäischen Honigbienenvölker als Sozialstaat funktionieren. Entgegen der Wildbiene gibt es die Honigbiene nur im Volk. Ein neues Volk wird auch nur von vielen Bienen gemeinsam gegründet. Ein Bienenvolk setzt sich zusammen aus einer Königin und 5.000-50.000 Arbeiterinnen. Zeitweise ergänzen bis zu 1.000 Drohnen, die männlichen Bienen, das Bienenvolk. Ein Bienenvolk zählt von Mitte Mai bis Mitte Juni die meisten Bienen.

Die Arbeiterinnen haben verschiedene Aufgaben, die sie während ihres Lebens durchlaufen. Kommt es aufgrund äußerer Einwirkungen dazu, dass beispielsweise die Flugbienen nicht mehr zurückkommen, können die anderen Bienen innerhalb 24 Stunden einzelne Stadien ihrer Entwicklung überspringen oder sich zurückentwickeln um die Existenz des Volkes zu sichern.

Auch vor Hitze und Kälte kann sich einen Bienenvolk selbst schützen. Die Temperatur im Brutbereich im Bienenstock beträgt unabhängig von der Außentemperatur immer ca. 35 °C und die Luftfeuchtigkeit liegt bei 65 %. Nach außen hin, nimmt die Temperatur ab max. 12 °C. Dabei kühlen oder heizen die Bienen das Volk durch ihre Körperwärme oder ihre Flügelschläge selbst.

Lediglich im Frühjahr bis zur Kirschblüte kann sich ein Bienenvolk nicht vollständig selbstständig ernähren und ist auf die Futtergabe der Imker angewiesen.

Die Bienen verteidigen ihr Volk schließlich auch gemeinsame. Da sie das Gift einer anderen Biene riechen, wenn diese sticht, kommen sie zur Hilfe. Dazu hatte Steger auch noch einen Tipp dabei – bei einem Bienenstich soll man den Stachel der Biene so schnell wie möglich aus der Haut entfernen, da dieser laufend Gift abgibt und sich immer weiter in tiefere Hautschichten bohrt. Dabei erklärte der Bienenkenner auch, warum man bei einem Bienenstich oftmals unterschiedlich stark reagiert. Das Gift der jungen Bienen ist nämlich noch nicht so giftig, als das der älteren Bienen, wo das Gift schon älter und abgestandener ist.